Ein Tag in der KZ-Gedenkstätte Dachau

Am Montag, den 23.10.2017 besuchten die Klassen V10 und Z11 gemeinsam mit ihren Lehrkräften Frau Schwarz und Frau Endres die KZ-Gedenkstätte Dachau.

Vor der Führung über das Gelände hatten wir noch Zeit, die Ausstellung sowie den 20-minütigen Dokumentarfilm über das Konzentrationslager Dachau anzuschauen. Die erschütternden Original-Filmszenen über den Lageralltag und die Befreiung durch die Soldaten der 7. US-Armee am 29.04.1945 machten und sehr betroffen.

Der Rundgang startete dann um 12 Uhr mit einem geschichtlichen Überblick sowie den wichtigsten Eckdaten über das Dritte Reich. Danach ging es vorbei an den ehemaligen SS-Gebäuden zum Eingangstor des Lagers. "Arbeit macht frei", diese zynischen Worte zieren das Tor. Den ankommenden Häftlingen wurde dadurch weisgemacht, dass sie durch harte Arbeit und Fleiß wieder freigelassen werden, doch das Gegenteil war der Fall. Sie kamen durch den schweren Arbeitsalltag zu Tode.

Nach dem Durchschreiten steht man direkt auf dem großen Appellplatz. Dort mussten sie selbst bei den widrigsten Wetterbedingungen morgens und abends oftmals stundenlange Zählappelle über sich ergehen lassen. Als nächstes gingen wir in das ehemalige Wirtschaftsgebäude, indem die Registrierung der Häftlinge stattfand. Während dieser Aufnahmeprozedur verloren die Menschen ihre Kleidung, ihr ganzes Eigentum sowie ihre Identität und Menschenwürde. In diesem Gebäude befand sich neben der Küche auch das so genannte "Bad". Dieses wurde von den SS für Bestrafungen und Folterungen genutzt, z. B. das Pfahlhängen oder für die Prügelstrafe. Danach besichtigten wir die dahinter liegende Bunkeranlage, die Gefängniszellen. Hier wurden die Insassen in Einzelhaft gesperrt, nicht selten bei völliger Dunkelheit, in Stehzellen und tagelang ohne Essen.

Unser Rundgang führte uns anschließend zu den Baracken, die wieder aufgebaut und originalgetreu nachgebaut wurden. Hier konnten wir die Schlafräume und die primitiven sanitären Anlagen besichtigen. Obwohl pro Block nur Platz für ca. 200 Menschen war, mussten darin in den letzten Kriegsjahren bis zu 1600 Leute unterkommen. Hier gab es keine Privatsphäre und der Gestank, der eng zusammengepferchten Menschen muss schrecklich gewesen sein, denn es gab nur zwei Toiletten. Unser Weg führte uns dann vorbei an Wachtürmen, welche die Häftlinge abschrecken und von der Flucht abhalten sollten, in den Bereich des Krematoriums und des "Brausebads". Diese Räume hinterließen bei uns den erschütterndsten und bedrückendsten Eindruck. Die als "Bad" getarnte Gaskammer ist ein kleiner, dunkler Raum und hatte sogar 15 Duschkopfattrappen an der Decke. Wie schrecklich es für die Insassen gewesen sein muss, keinen Ausweg vor dem qualvollen Tod zu haben, lässt sich nicht erahnen oder in Worte fassen. Auf dem Weg über das Gelände zu unserer letzten Station war es ruhig und jeder war in seine eigenen Gedanken versunken. Schließlich endete unsere Führung am internationalen Mahnmal von Nandor Glid. Es zeigt menschliche Skelette im Stacheldraht, Menschen, die vor lauter Verzweiflung, gebrochen und ohne jegliche Hoffnung in den Draht gegangen sind, und sich dadurch das Leben nahmen.

Der Besuch der KZ-Gedenkstätte machte uns bewusst, dass die Verbrechen zur Zeit des Nationalsozialismus nicht vergessen werden dürfen, besonders vor dem Hintergrund der heutigen Entwicklungen, in denen der Hass auf andere Völker zunimmt und radikale, rechte Parteien enormen Zulauf erfahren. Deshalb ist es unsere Aufgabe und Verantwortung mit einer funktionierenden Demokratie dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder passiert. Schon Max Mannheimer appellierte:

„Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon".

 

Persönliche Eindrücke der Schülerinnen und Schüler vom Besuch der KZ-Gedenkstätte:

"Sehr beeindruckend fand ich die Erzählungen über Hans Beimler, der es als einziger geschafft hat aus dem Bunker zu fliehen und von einem weiteren Mann, der es trotz Verbots durch die SS geschafft hat, während seiner ganzen Haftzeit ein Tagebuch zu führen".

"Jeder Schüler sollte einmal eine KZ-Gedenkstätte besucht haben, da das Dritte Reich und der Zweite Weltkrieg zentrale Themen in jedem Geschichtsunterricht sind. Obwohl man im Unterricht viel darüber lernt, ist es etwas ganz anderes, wenn man direkt vor Ort ist. Man kann die Gebäude betrachten, sich den Lageralltag besser vorstellen, aber es ist kaum vorstellbar und in Worte zu fassen, wie furchtbar das Lagerleben für jeden einzelnen Häftling wirklich war".

"Es ist unfassbar traurig und schrecklich, wie die Nationalsozialisten die Menschen damals behandelt haben. Kein Mensch hat es verdient aufgrund seiner Meinung, seinem Aussehen, seiner Religion oder Nationalität gedemütigt zu werden. Ich bin dankbar dafür, dass diese Gedenkstätte errichtet wurde, damit niemand vergisst, was für ein Glück wir haben, dass diese Zeit hinter uns liegt".

 

Klasse V 10, Stefanie Schwarz



Das Jourhaus
Das Jourhaus
Die Baracken
Die Baracken
Das internationale Mahnmal
Das internationale Mahnmal